Memmingen - „Menschenrechte sind nicht verhandelbar“: Unter diesem Motto stand der diesjährige bundesweite Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen. Der Behindertenbeirat der Stadt Memmingen hatte dazu eine Aktion auf dem Weinmarkt organisiert, die von mehreren lokalen Kooperationspartnern unterstützt wurde. Mit dabei war das Sozialpsychiatrische Zentrum (SPZ) „An der Kappel“ der Diakonie Allgäu. Im Mittelpunkt stand das Thema psychische Erkrankungen. Sie betreffen viele Menschen, sind aber noch immer häufig mit Unsicherheiten und Vorurteilen verbunden.
„Viele Menschen denken bei Behinderung zuerst an körperliche oder sichtbare Einschränkungen. Weniger bekannt ist, dass auch psychische Erkrankungen hierzu gehören können. Das ist dann der Fall, wenn sie Menschen längerfristig daran hindern, gleichberechtigt am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben, etwa im Beruf, in der Ausbildung, im sozialen Miteinander oder beim Zugang zu Unterstützung“, betont Diplom-Sozialpädagogin Nicole Ried vom SPZ „An der Kappel“.
Der Infostand bot Besucherinnen und Besuchern die Möglichkeit, sich unkompliziert über psychische Gesundheit zu informieren und mit den Mitarbeitenden ins Gespräch zu kommen. Das Team stellte dabei auch die Arbeit des SPZ „An der Kappel“ vor. Dazu gehören die Beratungsstelle, der Sozialpsychiatrische Dienst und die Aufsuchenden Assistenzleistungen, ehemals Ambulant Betreutes Wohnen. Weitere Angebote der Diakonie Allgäu in Memmingen sind die Tagesstätte für Menschen mit psychischer Erkrankung, das Kaufhaus Diakonisches Werk, K-DW, das Jobcoaching IPS (Supported Employment) und das KiWi-Projekt. Letzteres unterstützt Kinder psychisch kranker Eltern und wird von der Kinderbrücke Allgäu e. V. gefördert.
Auf großes Interesse stieß auch ein interaktives Quiz mit Faktencheck zu psychischen Erkrankungen. Besucherinnen und Besucher konnten dabei ihr eigenes Wissen testen und verbreitete Annahmen hinterfragen. Aufgegriffen wurden Alltagsfragen, die im Zusammenhang mit Behinderung immer wieder auftauchen: Was kann man tun, wenn man eine psychische Erkrankung hat? Was machen Kinder in einer Heilpädagogischen Tagesstätte? Darf man mit einem Schwerbehindertenausweis automatisch auf einem Behindertenparkplatz parken? Können Arbeitnehmende mit Schwerbehinderung ganz normal gekündigt werden? Wird in einer Werkstatt für behinderte Menschen auch für regionale Firmen gearbeitet?
Verena Gotzes, Vorsitzende des Behindertenbeirates der Stadt Memmingen, nahm zu aktuellen politischen Entscheidungen Stellung: „Zusammen mit allen Sozialverbänden drängen wir auf den Erhalt und Ausbau von Teilhabe. Es geht nicht um freiwillige Leistungen, sondern um die Umsetzung grundlegender Menschenrechte. Einsparungen dürfen nicht auf Kosten von Menschen mit Behinderung und ihrer Familien gehen. Darum: keine Kürzungen in der Eingliederungshilfe.“
Ein weiterer Termin steht bereits fest. Am Samstag, 6. Juni 2026, findet zum 35. Mal das alljährliche Straßenfest für Menschen mit und ohne Behinderung statt. Von 10.00 bis 13.30 Uhr sind alle Interessierten auf den Theaterplatz in Memmingen eingeladen.