Bildunterschrift: v.l.n.r. Elena Obinger, Barbara Denlöffel, Dagmar Engstler und Renate Kuhles in der Cafeteria des Wilhelm-Löhe-Hauses
Kempten – In der Cafeteria des Wilhelm-Löhe-Hauses der Diakonie Allgäu sorgen freiwillig Engagierte für weit mehr als Kaffee und Kuchen. Drei Frauen erzählen, warum sie sich einbringen und was sie selbst dabei gewinnen.
Die Cafeteria ist noch nicht geöffnet, da lockt der saftige Apfelkuchen auf dem Tresen schon den ersten Bewohner an. „Oh, gibt’s den gleich? Dann komme ich nachher wieder vorbei“, verkündet Herr S. strahlend und zieht mit seinem Rollator weiter. Hinter ihm winkt ein Mann freundlich vom Esstisch herüber. „Mr. Ricola“, erklären Barbara Denlöffel, Dagmar Engstler und Renate Kuhles lachend. Er kaufe bei ihnen regelmäßig Bonbons.
Es sind diese kleinen Begegnungen, die die Cafeteria für die drei Frauen zu einem besonderen Ort machen. Für Dagmar Engstler (66) ist ihr Engagement vor allem eine Möglichkeit, Danke zu sagen. Nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes fand die ehemalige Kemptener Schulleiterin viel Halt in ihrer Kirchengemeinde. „Die Gemeinde hat mich aufgefangen.“ Nun möchte sie etwas zurückgeben. Seit rund einem Jahr hilft sie in der Cafeteria mit und kennt inzwischen viele Stammgäste. „Ich freue mich einfach, dass ich jemandem etwas Nettes tun kann.“ Die Bewohnerinnen und Bewohner kämen schließlich nicht nur wegen Kaffee und Kuchen, sondern auch, um Abwechslung zu haben. Besonders schön sei es, wenn jemand frage: „Wann kommst du wieder?“ Dann spüre sie, wie sehr ihre Anwesenheit geschätzt werde.
Drei Frauen, drei Geschichten – ein gemeinsamer Antrieb
„Man bekommt mehr zurück, als man gibt“, sagt Renate Kuhles. Die 77-Jährige engagiert sich seit zehn Jahren in der Cafeteria und bietet im Wilhelm-Löhe-Haus außerdem einmal wöchentlich Sturzprävention an. Früher arbeitete sie in der Sozialarbeit der Diakonie. Nach dem Ruhestand wollte sie weiterhin etwas Sinnvolles tun, diesmal aber ganz praktisch. „Ein paar Sätze mit jemandem reden – das sind Kleinigkeiten, die für die Menschen so wichtig sind.“ Das Gefühl, noch etwas Sinnvolles beitragen zu können, mache auch ihr eigenes Leben erfüllter, erzählt sie. Und ihre freie Zeit könne sie dadurch umso mehr genießen.
Auch Barbara Denlöffel (65) weiß, wie viel ein offenes Ohr bewirken kann. Viele Jahre arbeitete sie im Pharmamanagement in der Schweiz. Als ihr Partner schwer erkrankte, pflegte sie ihn fast ein Jahr lang. Heute engagiert sie sich in der Geriatrie eines Krankenhauses und alle zwei Wochen sonntags in der Cafeteria. „Man wird auch selber älter. Das Alter bleibt ja nicht stehen“, sagt sie. Auch sie würde sich später freuen, wenn jemand Zeit für ein Gespräch hätte oder sie ihre Sorgen loswerden könnte. Manchmal kämen die Menschen gerade dann, wenn eigentlich schon das Aufräumen anstehe. Doch wenn sie spüre, dass jemand ein Gespräch brauche, nehme sie sich die Zeit. Für sie stehe der Mensch im Mittelpunkt. Dafür brauche es Empathie und Fingerspitzengefühl.
Weitere Unterstützung gesucht – besonders am Wochenende
Insgesamt 26 Menschen engagieren sich derzeit freiwillig im Wilhelm-Löhe-Haus, acht davon in der Cafeteria. Auch an der Rezeption oder im Besuchsdienst gibt es Möglichkeiten, sich einzubringen. Doch besonders für die Wochenenden fehlen weitere helfende Hände. „Unser Wunsch ist, dass die Cafeteria jeden Tag von 14 bis 16 Uhr geöffnet sein kann“, sagt Elena Obinger, die das freiwillige Engagement im Haus koordiniert.
Sie weiß, dass ein Sportverein für viele zunächst attraktiver klingt als ein Pflegeheim. Manche hätten Berührungsängste oder scheuten die Auseinandersetzung mit dem Älterwerden. Dabei sei die Cafeteria ein lebendiger Ort, an dem man unmittelbar erlebe, was die eigene Unterstützung bewirke. „Man geht heim und denkt: Ich habe heute so viel bewegt.“ Gerade im Ruhestand könne das Engagement zudem neue Kontakte und Struktur in den Alltag bringen.
Ob allein, gemeinsam mit einer Freundin oder als Paar: Willkommen ist, wer Freude am Umgang mit Menschen hat. Eine starre Verpflichtung gibt es nicht, die Dienste werden gemeinsam abgestimmt. Wer neugierig ist, kann ganz unverbindlich vorbeikommen und ausprobieren, ob die Aufgabe zu ihr oder ihm passt. „Einfach mal reinschnuppern“, ermutigt Elena Obinger. Interessierte können sich direkt bei ihr melden – telefonisch unter 0831 25384-116 oder per E-Mail an elena.obinger@diakonie-allgaeu.de.