Memmingen - Wer wird uns pflegen, wenn wir alt sind? Diese Frage stellt sich nicht erst in ferner Zukunft. Sie entscheidet sich jetzt. In Klassenzimmern, Praxisräumen und Pflegeeinrichtungen. Bei jungen Menschen, die ihre Ausbildung beginnen oder mittendrin stecken. Genau dort setzt ein ausgezeichnetes Ausbildungskonzept der Diakonie Allgäu an, entwickelt von Daniela Pfeiffer, Ausbildungskoordinatorin in der Pflege.
Für ihr innovatives, sprachsensibles Praxisanleiterkonzept wurde Daniela Pfeiffer vom Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit und Pflege ausgezeichnet. Ein Preis, der mehr ist als Anerkennung. Er ist ein Signal, wie Pflegeausbildung heute gedacht werden muss: Verständlich, wertschätzend und nah an den jungen Menschen.
Niemand muss perfekt sein, wichtig ist die Bereitschaft zu lernen
„Die Auszubildenden von heute sind die Menschen, die uns morgen pflegen“, sagt Daniela Pfeiffer. „Wenn wir wollen, dass Pflege menschlich, professionell und würdevoll bleibt, müssen wir genau hier investieren und die Pflegeausbildung wieder attraktiver machen.“
Aktuell begleitet sie 18 Auszubildende bei der Diakonie Allgäu, viele von ihnen mit Flucht- oder Migrationsgeschichte. Nur drei stammen derzeit aus Deutschland. Unsicherheit, Sprachbarrieren und Angst vor Fehlern gehören für viele zum Ausbildungsstart dazu.
„Viele trauen sich anfangs kaum zu sprechen, aus Angst, etwas falsch zu sagen“, berichtet die Ausbildungskoordinatorin. „Dabei dürfen sie ja Fehler machen, dürfen und sollen nachfragen.“
Wenn Pflegeausbildung lebendig wird
Aus dieser Erfahrung heraus entwickelte die gelernte Krankenschwester (heute offiziell Pflegefachfrau) ihr ausgezeichnetes Konzept. Strukturierte Gruppenanleitungen fördern das Text- und Leseverständnis und stärken die Sprachkompetenz. Dabei setzt Daniela Pfeiffer auf einfache Sprache und aktive Beteiligung, keine starren Vorträge.
Die Auszubildenden üben immer wieder freizusprechen. Sie erklären Inhalte selbst, diskutieren in Gruppen, reflektieren Situationen. So werden Lerninhalte systematisch überprüft. Ein ganzheitlicher Ansatz, der bei den jungen Menschen super ankommt und Spaß macht.
„Ihr Strahlen motiviert mich.“
Einen Teil des Preisgeldes investierte Daniela Pfeiffer direkt in die Ausbildung: Zwei neue Pflegepuppen namens Caroline (angelehnt an das Caroline-Rheineck-Haus in Memmingen) und Wilhelm (angelehnt an das Wilhelm-Löhe-Haus in Kempten) ermöglichen es den Auszubildenden, Pflegesituationen realitätsnah zu üben – zum Beispiel waschen, lagern, Verbände wechseln, Spritzen geben und Katheter legen.
„Die Puppen nehmen Angst“, sagt Daniela Pfeiffer. „Und sie geben Sicherheit.“ Die Rückmeldungen der Auszubildenden seien durchweg positiv – mehr Selbstvertrauen, mehr Verständnis, mehr Motivation.
„Pflege ist anspruchsvoll, aber sie gibt unglaublich viel zurück“
Die Mutter zweier Söhne hofft, dass sie so mehr junge Menschen für die Pflege-Ausbildung begeistern kann. Vor allem ziehe es zu wenige in die Altenpflege. „Im Pflegeheim baue ich Beziehungen auf. Ich begleite Menschen oft bis zum Lebensende. Das ist anspruchsvoll, aber auch unglaublich sinnstiftend.“
Gerade junge Menschen müssten diese Seite der Pflege kennenlernen. Denn noch immer wollten viele lieber in die Klinik, weil sie den Pflegeberuf dort „medizinischer“ wahrnehmen. Zugleich sei die Arbeit dort aber auch schnelllebiger. „Im Pflegeheim bin ich Ansprechpartnerin, Seelentrösterin, Fürsprecherin. Ich baue Bindungen auf und ich bin dafür verantwortlich, dass Menschen einen guten Lebensabend haben.“
Wer pflegt uns dann?
Die Pflegeausbildung habe sich seit 2020 grundlegend verändert, betont Daniela Pfeiffer. Sie sei heute vielseitiger und in mancher Hinsicht auch hochwertiger und strukturierter. „Das ist vielen noch nicht bewusst.“ Auch das Gehalt im 1. Lehrjahr sei mit rund 1300 Euro brutto nicht schlecht.
Die Ausbildungskoordinatorin der Diakonie Allgäu möchte ihren Schützlingen das Gefühl eines „Zuhauses“ geben. Ihre Leidenschaft für den Job spürt man sofort, wenn man mit ihr spricht. Sie sprudelt vor Ideen. Gerade ist sie dabei, eine Azubi-Lern-App als ergänzende Lernplattform zu etablieren, mit der auch KI gesteuerte Arbeitsblätter erstellt werden können. „Wir müssen da sein, wo junge Menschen sind, sonst verlieren wir sie.“ Und wer pflegt uns dann, wenn wir alt sind?