Beratung to go: Sofi startet im Oberallgäu

Neues Sozialmobil wird Treffpunkt und Beratungsbüro in den Gemeinden

Allgäu – Auf dem Wochenmarkt in Oy-Mittelberg fiel vor wenigen Tagen der Startschuss für ein neues Angebot für das Oberallgäu und Kempten. Mit dem mobilen Sozialprojekt „Sofi – Begegnung. Beratung. Gemeinschaft.“ bringen die Diakonie Allgäu und der Caritasverband Kempten/Oberallgäu ab sofort kostenlose Sozialberatung und Begegnungsmöglichkeiten in die Landkreisgemeinden, von denen der Weg zur nächsten Beratungsstelle oft zu weit oder zu aufwändig ist.

Im Mittelpunkt der Auftaktveranstaltung stand „Sofi“ selbst, ein auffälliges Campermobil, das nach vorne offen ist wie ein kleiner Marktstand. Das barrierefrei umgebaute Fahrzeug wird auf Wochenmärkten, vor (Dorf-)Läden oder an Plätzen, an denen die Menschen im Ort zusammenkommen, als Treffpunkt und mobiles Beratungsbüro dienen. Innen gibt es eine Sitzecke für vertrauliche Gespräche, dazu stabiles Internet und einen Drucker. Eine Sozialarbeiterin oder ein Sozialarbeiter bietet hier Beratung an, ohne Termin und ganz spontan, bei einer Tasse Fairtrade-Kaffee oder Tee. Thematisch reicht das Spektrum von Sozialrecht über Krankheit, Behinderung und Erwerbsminderung bis hin zu Arbeit, Familie sowie beruflichen und persönlichen Krisen.

Mehr als Hilfe: Raum für Begegnung und Gemeinschaft
Martin Rüster und Anja Klemm aus dem Sofi-Team stellten das Projekt vor. Rüster machte deutlich, worum es geht: In Städten wie Kempten, Immenstadt oder Sonthofen gebe es Beratungsstellen, in vielen kleineren Orten fehle jedoch der niedrigschwellige Zugang. „Wir wollen da sein, wo die Menschen sind. Wer nicht zu uns kommen kann, zu dem kommen wir“, sagte er. Klemm betonte, dass das Team offen ist für Anliegen aller Art und bei Bedarf auch an passende Unterstützungsangebote weitervermittelt. „Wir schauen, was es im Einzelfall braucht.“ Sofi versteht sich aber nicht nur als Ort für Problemlösungen. Das Mobil soll zugleich Raum für Austausch schaffen, für ein nettes Gespräch zwischendurch, fürs „Hoigarta“. „Gerade in Zeiten, in denen Dorfgemeinschaften schwächer werden, kann das ein Beitrag gegen Vereinsamung sein“, so Anja Klemm. Zusätzlich steht Sofi als Projektpartner für örtliche Vereine zur Verfügung und hat in Kooperation mit der Freiwilligenagentur Oberallgäu einen Werkzeugverleih sowie ehrenamtliche handwerkliche Unterstützung im Gepäck.

Große Resonanz, breite Unterstützung
Wie groß das Interesse in der Region ist, zeigte die Gästeliste der Auftaktveranstaltung. Unter den Anwesenden waren unter anderem Landtagsvizepräsident und Bezirksrat Alexander Hold, die Kreisseniorenbeauftragte Christine Rietzler, Kreisfamilienbeauftragte Antje Piekenbrock, mehrere Bürgermeisterinnen und Bürgermeister aus dem Oberallgäu sowie Vertreterinnen und Vertreter von Regionalentwicklung Oberallgäu, Diakonie Allgäu und Caritas. Oy-Mittelbergs Bürgermeister Lucas Reisacher unterstrich den bestehenden Bedarf und den Nutzen für Gemeinden abseits der Ballungsräume. Roland Hüber, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Allgäu, und Jennifer Wörz, Vorständin des Caritasverbands Kempten/Oberallgäu, dankten den Projektbeteiligten und Unterstützern. Christoph Endreß, Bürgermeister von Blaichach und 1. Vorsitzender der Regionalentwicklung Oberallgäu e. V., die das Projekt über LEADER-Mittel maßgeblich mitfinanziert, nannte Sofi in dieser Form „einmalig“: Zwei große Träger ziehen gemeinsam an einem Strang, und das Angebot kommt direkt zu den Menschen.“

Erste Stationen stehen fest – weitere sind ausdrücklich erwünscht
Die ersten festen Standorte stehen bereits fest. Sofi wird unter anderem an Markttagen in Dietmannsried, Oberstaufen, Oberstdorf und Weitnau Station machen. Über den genauen Fahrplan informiert die Homepage des Projekts: www.sofi-mobil.de. Perspektivisch soll das Mobil an fünf Tagen pro Woche unterwegs sein und – in enger Abstimmung mit den Gemeinden – Orte und Veranstaltungen im gesamten Landkreis anfahren. Bei der Auftaktveranstaltung konnten die Gäste auf einer Landkreiskarte markieren, wo Sofi künftig ebenfalls Halt machen soll.

Pater Athanasius Meitinger und Pfarrer Tim Sonnemeyer spendeten den kirchlichen Segen. Für musikalische Gänsehautmomente sorgte die in Oy wohnhafte professionelle Sängerin Andrea Jörg.

Finanzierung auf breiten Schultern
Finanziert wird das Projekt aus Eigenmitteln von Diakonie und Caritas, über Fördermittel wie LEADER in Zusammenarbeit mit der Regionalentwicklung Oberallgäu sowie durch Unterstützung der Glücksspirale, der Kirchen und weiterer Stiftungen, Sponsoren und Spenderinnen und Spender.

 

Foto: Sabine Stodal

Bildunterschrift: Viele Verantwortungsträger aus dem gesamten Oberallgäu waren zu der Auftaktveranstaltung nach Oy-Mittelberg gekommen, um das Projekt kennenzulernen.

Von links: Anja Klemm (Sofi-Teammitglied der Diakonie Allgäu), Gertrud Knoll (Bürgermeisterin Wertach), Gerhard Straub (Vorstand Diakonie Allgäu), Pfarrer Tim Sonnemeyer, Veronika Hämmerle (AELF Kempten), Roland Hüber (Vorstand Diakonie Allgäu), Jennifer Wörz (Vorständin Caritasverband Kempten-Oberallgäu), Martin Rüster (Projektverantwortlicher bei der Diakonie Allgäu), Kreisseniorenbeauftragte Christine Rietzler, Landtagsvizepräsident und Bezirksrat Alexander Hold, Gerhard Hock, (Bürgermeister Durach) Kreisfamilienbeauftragte Antje Piekenbrock, Thomas Eigstler (Bürgermeister Wiggensbach und Sprecher der Oberallgäuer Städte, Märkte und Gemeinden im Bayerischen Gemeindetag), Christof Endreß (Bürgermeister Blaichach, 1. Vorsitzender der Regionalentwicklung Oberallgäu e.V.), Nikolaus Weißinger (Bürgermeister Rettenberg), Lucas Reisacher (Bürgermeister Oy-Mittelberg) und Mathias Pfuhl (Bürgermeister Lauben).