„Zam schaffa“: Wenn Entscheider mit anpacken
Positive Bilanz der Aktionswoche in Kempten und dem Oberallgäu
Kempten/Oberallgäu – Eine Woche lang hieß es in Kempten und dem Oberallgäu wieder „Zam schaffa“. Unter diesem Motto öffneten verschiedene Träger und Einrichtungen der sozialen Arbeit ihre Türen für Gäste aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung und von Kostenträgern. Die Teilnehmenden arbeiteten mehrere Stunden in den jeweiligen Betrieben, Diensten und Anlaufstellen mit. Die Idee hinter der Aktionswoche: Verantwortungstragende sollten nicht nur über berufliche Inklusion und Teilhabe sprechen, sondern den Arbeitsalltag in den Einrichtungen unmittelbar erleben.
Annemarie Eberhard, Koordinatorin für Sozialpsychiatrie und regionale Netzwerke im Bezirk Schwaben, arbeitete vormittags in der Küche der Tagesstätte des Sozialpsychiatrischen Zentrums Kempten (SPZ) der Diakonie Allgäu mit.
Gemeinsam mit Köchin Sabine Madeheim und Besucherin Teslime König bereitete sie Spargelrisotto mit Salat und Rhabarberkuchen für die Besuchenden und Mitarbeitenden der Tagesstätte und des Werkhauses der Diakonie Allgäu zu. An diesem Mittag gingen rund 40 Portionen über den Tisch. Nachmittags stattete Eberhard dem Kloi-Hoi Secondhandladen des HOI-Vereins einen Besuch ab. „Es ist sehr interessant, einmal die Perspektive zu wechseln, von der bürokratischen Seite zu der praktischen Arbeit in den Einrichtungen“, so ihr Fazit. Auch Sabine Madeheim, Hauswirtschafterin und Leiterin der Küche des SPZ, unterstrich den Wert der Aktion: „Sie sorgt für ein besseres Verständnis.
Sie gibt ein Gespür dafür, dass Dinge in der Praxis manchmal nicht so leicht umzusetzen sind, wie sie in der verwalterischen Theorie klingen.“
Bildbeschreibung: Annemarie Eberhard vom Bezirk Schwaben, Teslime König und Köchin Sabine Madeheim bereiteten gemeinsam ein leckeres Mittagessen für die Besuchenden und Mitarbeitenden der Tagesstätte und des Werkhauses der Diakonie Allgäu zu. An diesem Mittag gingen rund 40 Portionen über den Tisch.
Foto: Sabine Stodal
Kemptens Oberbürgermeister Christian Schoch und Björn Athmer, Regionalgeschäftsführer Allgäu der IHK Schwaben, wirkte in den Allgäuer Werkstätten mit. Schoch beschrieb seinen Eindruck so: „Hier wird in einem überschaubaren Umfeld gearbeitet, entschleunigt, aber mit viel Konzentration und großer Qualität. Die Arbeit geschieht mit viel Ruhe, gemeinsam und ohne Druck.“ Auch Athmer würdigte die Arbeit der Einrichtung: „Die Allgäuer Werkstätten leisten wertvolle Arbeit für Gesellschaft und Wirtschaft im Allgäu. Zufriedene und glückliche Mitarbeitende sind das beste Zeichen dafür, dass das Miteinander großgeschrieben wird und Arbeit Freude bereitet.“
Bildbeschreibung: Kemptens Oberbürgermeister Christian Schoch (linkes Bild) und Björn Athmer, Regionalgeschäftsführer Allgäu der IHK Schwaben (rechtes Bild)
Fotos: Monika Rohlmann-Januschke
Kemptens Sozialreferent Thomas Baier-Regnery half in der Stadtgärtnerei Kempten beim Ansäen einer Wildblumenwiese. Er sagte: „In der Stadtgärtnerei arbeiten Menschen mit verschiedenen Hintergründen auf Augenhöhe zusammen. Inklusion wird hier so selbstverständlich gelebt, dass niemand ausgeschlossen wird. Ein sehr gutes Vorbild und ein beeindruckendes Miteinander.“
Bildbeschreibung: v.li.: Sozialreferent Thomas Baier-Regnery mit Stephan Dorn (Außenarbeitsplatz von den Allgäuer Werkstätten, er ist seit ca. 10 Jahren bei der Stadtgärtnerei) und zwei weitere Mitarbeitende.
Foto: Baier-Regnery
Die Kemptener Stadtratsmitglieder Sophia Wirth-Klauser (SPD) und Dominik Tartler (Grüne) besuchten den Integrationsfachdienst Schwaben. Dort erhalten Menschen mit Behinderung oder gesundheitlichen Einschränkungen und deren Arbeitgeber Unterstützung bei der Integration in Arbeit und bei der Erhaltung von Arbeitsplätzen. Im gemeinsamen Austausch wurde für die politischen Akteure der Wunsch nach mehr Interesse und Offenheit gegenüber Menschen mit Einschränkungen, nach einem stärkeren Blick auf deren Fähigkeiten und Potenziale statt auf die Defizite und nach mehr Mut, den Menschen Chancen zu geben, deutlich.
Bildbeschreibung: Dominik Tartler (3.v.re.) und Sophia Wirth-Klauser (2.v.re) beim Integrationsfachdienst Schwaben.
Foto: IfD Schwaben
Im Beruflichen Trainingszentrum (BTZ) der Beruflichen Fortbildungszentren der Bayerischen Wirtschaft (bfz) in Kempten war Maria Amtmann, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Kempten-Memmingen, zu Gast. Sie arbeitete in den Werkstätten mit, gravierte Gläser und fertigte kleine Holzarbeiten an. „Es ist sehr wichtig für mich zu sehen, welche Fertigkeiten nötig sind, um diese Arbeiten auszuführen“, so Amtmann. „Diese Einblicke helfen auch in Gesprächen mit potenziellen Arbeitgebern.“
Fotos: Günther Hammes
Auch Erika Weber, Geschäftsführerin des Jobcenters Kempten, beteiligte sich an der Aktionswoche. Sie arbeitete im Bereich Garten- und Landschaftsbau der KJF Soziale Angebote Allgäu mit, einer Einrichtung der Katholischen Jugendfürsorge der Diözese Augsburg.
Foto: Marina Silbernagel
Maria Klebau, Leiterin der Regionalstelle Schwaben des Zentrums Bayern Familie und Soziales, stattete gleich drei Inklusionsbetrieben einen Besuch ab. Im Allgäu ART Hotel packte sie im Bereich Housekeeping mit an, im CAP-Markt in Betzigau im Verkauf. Beim Kloi-Hoi Secondhandladen des HOI-Vereins half sie bei der Sortierung von Kinderkleidung mit. Dort unterstützte auch Annemarie Eberhard nach ihrer Mitwirkung in der Tagesstätte des Sozialpsychiatrischen Zentrums der Diakonie Allgäu.
Klebau zeigte sich beeindruckt: „An allen drei Einsatzorten wurde ich freundlich empfangen und habe viele Informationen zur Arbeit selbst und zu den Besonderheiten eines Inklusionsbetriebs erhalten. Besonders beeindruckt haben mich die hohe Motivation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, deren genaue, engagierte Arbeit und die Freude daran. Fasziniert bin ich vom offenen, wertschätzenden und hilfsbereiten Umgang der Mitarbeitenden untereinander. Das Inklusionsamt ist auch bei der nächsten Aktion ‚Zam Schaffa‘ gern wieder dabei!“
Bildbeschreibung: Maria Klebau im Allgäu ART Hotel mit einer Mitarbeiterin vom Housekeeping
Foto: Birgit Mair
Für Olaf Höck, Bereichsleiter bei der Diakonie Allgäu, zeigt die Aktionswoche deutlich, wie wichtig persönliche Begegnungen für das Verständnis sozialer Arbeit sind: „Wir freuen uns über die große Wertschätzung, den fruchtbaren Austausch und die Fortsetzung der guten Kooperation. Das ist besonders in herausfordernden Zeiten wie diesen wichtig. Die Rückmeldungen der Gäste waren durchweg positiv. Gelobt wurden die angenehme Atmosphäre, das gute Miteinander sowie die Sinnhaftigkeit und Qualität der Angebote.“
Veranstalter der jährlichen Aktionswoche „Zam schaffa“ ist der GPV (Gemeindepsychiatrischer Verbund) Kempten-Oberallgäu, Arbeitskreis Arbeit, des Bezirks Schwaben. Er wurde 2022 zum ersten Mal initiiert und seither jedes Jahr organisiert. Der GPV ist ein Zusammenschluss von mehr als 100 regionalen Einrichtungen und Träger der Psychiatrie vor Ort. Jährlich nutzen rund 2.100 Menschen in der Region die Angebote des GPV.