Diakonie Allgäu lädt zum „Dinner Für Alle“ am St.-Mang-Platz

Gemeinsames Picknick für mehr Gerechtigkeit auf dem Wohnungsmarkt

Wenn die Diakonie Allgäu am 22. September spätnachmittags auf dem St.-Mang-Platz zum Picknick einlädt, geht es vor allem darum, gemeinsam eine schöne Zeit zu verbringen. Und es geht um Gerechtigkeit: Anlass für das „Dinner Für Alle“ ist der Tag der wohnungslosen Menschen 2026. Dieser Aktionstag findet jedes Jahr im September statt und weist auf die Probleme hin, die finanziell und sozial schlechter gestellte Menschen bei der Wohnungssuche erleben. 

Das Motto für den Tag der Wohnungslosen lautet in diesem Jahr „Hinschauen. Aktiv werden. – Gemeinsam gegen Wohnungsnot.“ Das nimmt die Diakonie Allgäu wörtlich und lädt am Dienstag, 22. September, von 16 bis 18 Uhr zum öffentlichen Picknick ein: „Wir wollten etwas Schönes schaffen, sozusagen ein Stück Zuhause to go“, erläutert Sabine Lurz Bianco vom Projekt „Wohnraum Für Alle“ (WoFA) die Idee. Gemeinsam mit Bettina Röckl von der Wohnungsnotfallhilfe organisiert sie deshalb das „Dinner Für Alle“ mitten auf dem St.-Mang-Platz.

Eingeladen ist, wer kommen will
Die Veranstaltung ist öffentlich, eingeladen sind alle, die kommen wollen. „Wir stellen die Tische und Sitzgelegenheiten auf“, erklärt Lurz Bianco. Verpflegung und Geschirr bringen die Gäste selbst mit. „Wenn einfach alle ein bisschen mehr vorbereiten, als sie selbst essen können, gibt das ein richtig buntes Buffet.“ Für diejenigen, die nichts mitbringen können, ist ebenfalls gesorgt: Die Wärmestube des BRK unterstützt die Aktion mit ihrem Food Trailer. Dort gibt es Essen auf die Hand auf Spendenbasis.

Ungerechtigkeit am Mietmarkt als Hintergrund
Bei aller Vorfreude auf das gemeinsame Dinner ist der Hintergrund der Veranstaltung ernst: Es geht um die Ungerechtigkeit am Mietmarkt, die laut Lurz Bianco vor allem Menschen mit einem geringen Nettoeinkommen betrifft – Rentnerinnen und Rentner, Azubis und Studierende, Alleinerziehende, Sozialhilfeempfänger, ungelernte Kräfte mit Mindesteinkommen. „Viele von ihnen bleiben unsichtbar“, so die Soziologin. „Die verdeckte Wohnungslosigkeit ist hoch.“

Vielschichtiger Hilfebedarf in der Notunterkunft
Andere landen früher oder später bei ihrer Kollegin Bettina Röckl von der Fachstelle für Wohnungsnotfallhilfe. Sie bietet Sozialberatung für die rund 150 Menschen an, die in den städtischen Notunterkünften leben. „Eigentlich ist die ordnungsrechtliche Unterbringung nur als Übergangslösung gedacht“, sagt die Diplompädagogin. Doch eine Wohnungssuche brauche Zeit, zumal für die Menschen in der Notunterkunft. „Mehr als die Hälfte unserer Klientinnen und Klienten hat einen vielschichtigen Hilfebedarf“, schätzt Röckl. Die Wohnungssuche sei so nur eines von vielen Themen, die Energie kosten. „Und die Adresse der Notunterkunft im Lebenslauf ist auf dem Mietmarkt natürlich auch nicht hilfreich.“

Trotz des ernsten Hintergrunds soll das „Dinner Für Alle“ am 22. September primär eine schöne Gelegenheit zum Austausch sein – um Menschen kennenzulernen, die man sonst vielleicht nie getroffen hätte. „Vielleicht treffen sich sogar einige potenzielle Mieter, Vermieter und Nachbarn?“ freut sich Lurz Bianco. „Aber egal wie es kommt, wir leben mit unserem Dinner Für Alle das, wofür wir als Diakonie stehen: Gerechtigkeit, Nächstenliebe und Mitmenschlichkeit.“

Bei schlechtem Wetter findet das „Dinner Für Alle“ in der Südhalle der St.-Mang-Kirche statt.

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Hintergrundinformation

Wohnraum Für Alle (WoFA)
Das Projekt Wohnraum für alle unterstützt Menschen mit Migrationshintergrund bei der Suche nach ihrer eigenen Wohnung. Am Standort Kempten wurden seit 2021 mehr als 500 Menschen beraten, mehr als 100 haben langfristig ein neues Zuhause gefunden.

Fachstelle für Wohnungsnotfallhilfe
Die Fachstelle für Wohnungsnotfallhilfe berät und begleitet im Auftrag der Stadt Kempten die Menschen in den städtischen Notunterkünften. Sie bietet niederschwellige Unterstützung bei der Existenzsicherung, hilft bei der Antragstellung und beim Durchsetzen von Leistungsansprüchen, vermittelt nach Möglichkeit in geeignete weiterführende Hilfen und begleitet die Menschen bei der Wohnungssuche. Im Jahr 2025 unterstützte die Fachstelle insgesamt 91 Personen im Rahmen von fast 750 Beratungsgesprächen. Davon fanden 15 Personen regulären Wohnraum.