Nürnberg/München - Zwei Jahre nach dem verheerenden Hochwasser in Bayern ziehen die Diakonie Bayern, die Diakonie Katastrophenhilfe und die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern Bilanz ihrer Hilfen für Betroffene in der Region Allgäu. Insgesamt wurden 64 Anträge mit einem Gesamtvolumen von rund 338.950 Euro bewilligt. Unterstützt wurden Menschen unter anderem durch Soforthilfen unmittelbar nach der Katastrophe, Härtefallhilfen sowie erweiterte Hilfen für besonders schwer betroffene Haushalte.
Vom 30. Mai bis 3. Juni 2024 waren in Bayern und Baden-Württemberg zunächst ergiebige Dauerniederschläge gefallen, danach regional begrenzte Starkregen. Laut Deutschem Wetterdienst fiel in fünf Tagen teils mehr als ein Monatssoll, stellenweise sogar das Zweieinhalbfache. In Bayern waren vor allem Schwaben, Oberbayern und Niederbayern betroffen; 15 Landkreise und drei kreisfreie Städte riefen den Katastrophenfall aus, mehr als 3.000 Menschen mussten evakuiert werden. Die Hochwasserlage zog sich bis in die zweite Juniwoche, richtete massive Schäden an Wohnhäusern, Betrieben und Infrastruktur an und verursachte allein bei den versicherten Schäden in Bayern Schätzungen von bis zu drei Milliarden Euro.
Unmittelbar nach der Flut hatten die Diakonie Bayern, die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern sowie die Diakonie Katastrophenhilfe Soforthilfen organisiert, Bautrockner in die betroffenen Regionen geliefert und zu Spenden aufgerufen. In der Region Allgäu wurden insgesamt 12 niedrigschwellige Soforthilfen mit einem Umfang von rund 4.600 Euro bewilligt. Hinzu kamen 52 Härtefallhilfen und erweiterte Härtefallhilfen mit insgesamt rund 334.350 Euro.
Roland Hüber, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Allgäu, sagt: „Das Hochwasser hat viele Menschen im Allgäu völlig unvorbereitet getroffen. In solchen Situationen zählt, dass Hilfe schnell, unbürokratisch und verlässlich ankommt. Die Soforthilfen waren dafür ein erster wichtiger Schritt. Gleichzeitig hat sich gezeigt, dass manche Schäden und Belastungen erst nach und nach sichtbar wurden. Deshalb waren die Härtefallhilfen so wichtig – gerade für Haushalte, die ohne zusätzliche Unterstützung kaum wieder auf die Beine gekommen wären.“
Die Bearbeitung der erweiterten Härtefallhilfen war aufwendig. In vielen Fällen mussten Unterlagen nachgereicht und individuelle Situationen genau geprüft werden. Die letzten Anträge wurden erst in diesem Frühjahr abgeschlossen. Seit Ende 2025 können keine neuen Anträge mehr gestellt werden. „Die Prüfung der erweiterten Härtefallhilfen war bewusst gründlich“, so Manuela Walcher, Bereichsleitung KASA und Beratung bei der Diakonie Allgäu. „Hinter jedem Antrag stand eine konkrete Lebenssituation, oft mit erheblichen finanziellen und persönlichen Belastungen. Unser Anspruch war, sorgfältig hinzusehen und die Mittel dort einzusetzen, wo die Not besonders groß war. Dass die Verfahren Zeit gebraucht haben, lag auch daran, dass wir den Einzelfällen gerecht werden wollten.“
Neben finanziellen Hilfen gehe es auch künftig darum, die Katastrophenvorsorge weiter zu stärken. Bereits ein Jahr nach der Flut hatte die Diakonie angekündigt, stärker in regionale Netzwerke, Schulungen und Hilfsstrukturen investieren zu wollen.
Bayernweit wurden insgesamt 267 Anträge mit einem Gesamtvolumen von rund 684.000 Euro bewilligt. Die Hilfen reichten von Soforthilfen unmittelbar nach der Katastrophe bis hin zu erweiterten Härtefallhilfen für besonders schwer betroffene Haushalte.